Mittwoch, 4. Juli 2007

Abenteuerurlaub in Guatemala

In diesen Tagen blickt die gesamte (Sport-) Welt nach Guatemala. Das internationale olympische Komitee entscheidet über den Austragungsort von olympischen Spielen und zu diesem Anlass sind große Delegationen der kandidierenden Nationen nach Mittelamerika gereist. Tagtäglich sind nun die Zeitungen voll mit Direktberichten aus Guatemala. Allein die österreichische Delegation hat über 60 Mitglieder und in Meetings wird von Bundeskanzler Gusenbauer und weiteren mitgereisten Politikern, Spitzensportlern und Funktionären Lobbying gemacht, damit Österreich die Olympiade bekommt. In mehrseitigen Artikeln wird über die „Schwierigkeiten“ geschrieben, die einem als „Olympiatourist“ begegnen: Koffer gehen auf der langen Anreise verloren und eine Journalisten muss sich nun mit der Bekleidung begnügen, die sie am Leib trägt. Bundeskanzler Gusenbauer bekommt beim Jogging Begleitschutz von drei Polizeifahrzeugen und man gerät kaum außerhalb des „Hochsicherheitstraktes“ (=Sperrzone der drei Verhandlungshotels). Wenn ja, habe man sich vorzusehen: Guatemala ist eines der gefährlichsten Länder der Welt, wenn man überfallen werde, dann möge man alles hergeben, man solle nur zu in Kleingruppen zu dritt oder zu viert unterwegs sein etc.

So oft, wie Guatemala in diesen Tagen in den Medien ist, war es die letzten zwei Jahrzehnte wahrscheinlich in Summe nicht. Was für Journalisten, die vor allem die Sicherheit und den Standard von Europa gewöhnt sind, wie ein Abenteuerurlaub aussieht, ist trauriger Alltag in diesem wunderschönen Land Mittelamerikas. Tagtäglich werden unzählige Menschen ermordet – laut Angaben von Guatemaltekischen Menschenrechtsaktivisten sind es mehr, als in den schlimmsten Zeiten der Militärdiktatur. Arbeiter auf den Kaffeeplantagen bekommen oftmals nicht den gesetzlichen Mindestlohn von US-$ 4,-- pro Tag und aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation wachsen immer mehr Kinder auf, die unterernährt sind und durch die Fehl- und Unterernährung bleibende Gesundheitsschäden aufweisen. Davon ist in diesen Tagen nicht die Rede.

Wäre es nicht so traurig, dann könnte man es als Ironie der Geschichte ansehen, dass in einem Land wie Guatemala, in dem strukturelle und „gewöhnliche“ Gewalt an der Tagesordnung stehen, die Entscheidung für olympische Spiele getroffen wird, die so gern und großspurig als völkerverbindend und als Spiele des Friedens bezeichnet werden.

Es wäre zu wünschen, dass durch das kurze Scheinwerferlicht, Interesse an Guatemala und an der Lebenssituation der Menschen wächst und dass vor allem Druck aus dem Ausland entsteht, die gravierendsten Probleme anzugehen. Nach rund einem Dutzend Reisen in dieses Land in den letzten zwanzig Jahren habe ich Zweifel!

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